Borussen-Nostalgie in Schwalheim

(hs) Pfostenbruch und Büchsenwurf – »Fohlenelf« – Bökelberg. Der Ursprung für den »Mythos Borussia Mönchengladbach« liegt in den glorreichen 70er-Jahren. 

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Als Markenzeichen geprägt vom legendären Trainer Hennes Weisweiler im stilechten Puma-Trainingsanzug und Spielern wie Günter Netzer, Jupp Heynckes, Berti Vogts, Herbert »Hacki« Wimmer, Rainer Bonhof, Allan Simonsen oder Uli Stielike. Begeisternder Tempofußball bescherte dem Klub vom Niederrhein zwischen 1970 und 1977 fünf deutsche Meisterschaften, den UEFA-Cup 1975 und 1979 plus dreimal den DFB-Pokal. Das von vielen immer noch als »bestes deutsches Finale« gerühmte 2:1 nach Verlängerung 1973 über den 1.FC Köln steht bildlich für die Glanzzeit von »Schwarz-Weiß-Grün«. Für einige Momente wehten am Samstag nostalgische Erinnerungen durch Schwalheim. Eingeladen anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums des SV Germania zelebrierte die »Weisweiler-Elf« technische Kabinettstückchen, sehenswerte Kombinationen und schoss Tore im Dutzend. Das 12:0 (4:0) der Traditionstruppe gegen die »Allstars« aus dem Brunnendorf blieb Nebensache. Vor 350 Zuschauern, darunter Bad Nauheims Bürgermeister Armin Häsuer, ein glühender Borussen-Fan, ließen Oliver Neuville, Chiquinho, Peter Wynhoff, Thomas Kastenmaier, Hans-Jörg Criens & Co. ihr Können aufblitzen.

350 Zuschauer

Schwalheims Coach Horst »Fize« Michel, extra vom Freizeit-Domizil am Nidda-Stausee angereist, hatte im Vorfeld nichts unversucht gelassen, die SV-Oldies mit einer dosierten Übungseinheit intensiv vorzubereiten. Der 78-Jährige, früher über lange Jahre eine »Torwart-Institution« im Bad Nauheimer Stadtteil, spendierte hinterher gerne den Kasten Bier, weil die Ergebnis-Differenz »geringer als Minus 15« ausfiel.

Beim anschließenden Abendessen, das Wirt Gagik Narzayan von »Cesar’s Grillhaus« servierte, lobte Teammanager Kalle Pflipsen die Gastgeber: »Wir haben uns beim SV Schwalheim sehr wohl gefühlt.« Mit zwei Kleinbussen war die Weisweiler-Elf in die Wetterau angereist. Martin Schneider kam aus seinem Wohnort Karlstadt (bei Würzburg) im Privat-Pkw, ebenso wie Keeper Jörg Kässmann. Der gebürtige Gießener und Torwart-Trainer beim Regionalliga-Aufsteiger Teutonia Watzenborn-Steinberg plauderte am längsten vor dem Schwalheimer Vereinsheim.

Thomas Kastenmaier und Hans-Jörg Criens, mit 56 Jahren der Älteste im Team, wären gerne noch geblieben. »Mist, wir müssen weg, weil wir im Bus mitgefahren sind«, verabschiedete sich der aus München-Milbertshofen stammende Kastenmaier. »Wir spielen von Mitte Mai bis Mitte September fast jedes Wochenende. Das macht immer riesigen Spaß, aber unser außergewöhnlichstes Erlebnis war letztes Jahr das Spiel gegen eine Vatikan-Auswahl in Rom. Auf einem engen kleinen Kunstrasen mit atemberaubenden Petersdom-Panorama. Danach gewährte uns der Papst noch eine Privat-Audienz. Einfach einmalig. Und Amen«, schnappte der sympathische Bayer die Sporttasche und trat mit den Teamkollegen die Heimreise an.

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